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Das JSBG bietet seinen Schülerinnen und Schülern auch im neunjährigen Gymnasium die Möglichkeit, unter der humanistischen Ausbildungsrichtung ab der achten Jahrgangsstufedas Fach (Alt-)Griechisch zu wählen. 

Sprachenfrage des humanistischen Schulzweigs

Sprachliche Vorkenntnisse durch das Lateinische sowie die stringente Konzeption der in Windsbach verwendeten Lehrwerke sorgen für einen raschen Kompetenzerwerb unserer „Griechen“, der bald die Lektüre interessanter Lehrbuch- und Originaltexte ermöglicht. Wer würde nicht gerne die abenteuerlichen Geschichten der Odyssee, die dramatischen Texte des Sophokles oder die tiefgründigen Dialoge Platons im griechischen Original lesen wollen!?

Inhalt

1. Wozu eine „tote“ Sprache für die moderne Welt?

2. Wie werden Griechischkenntnisse aufgebaut?

3. Das Lehrwerk

4. Lektüre

5. Schulaufgaben

6. Graecum

7. Gelebter Humanismus

8. Buchtipps

1. Wozu eine „tote“ Sprache für die moderne Welt?

(Alt-)Griechisch mag gewiss nicht mehr Alltagssprache in Griechenland oder anderswo sein, weshalb ihm seine Kritiker das Attribut der „toten“ Sprache anheften. Bei näherem Hinsehen jedoch offenbaren sich auch ganz ohne Kephalgie (ἡ κεφαλή: der Kopf; τὸἄλγος: der Schmerz -> Kopfschmerz) breite Anwendungsbereiche dieser – zugegeben – alten Sprache, die etwa auch Vorlage der (natur-)wissenschaftlichen Fachterminologie ist. Sie wirkt durchaus lebendig: 

Als sinnvolle Erweiterung der lateinischen Basis schult das Griechische die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie das ästhetische Empfinden der Schülerinnen und Schüler. Sehr schnell im Lernverlauf werden besondere Möglichkeiten dieser Sprache (Aorist als zusätzliches Tempus, substantivierter/erweiterter Infinitiv) deutlich, die erkennen lassen, weshalb der Beginn der abendländischen Philosophie gerade von Denkern griechischer Muttersprache markiert wird. 

Die griechische Kultur erweist sich dabei nicht allein auf dem Felde der Weisheitsliebe(φιλέω: ich schätze, liebe; ἡ σοφία: die Weisheit), sondern auch im Bereich der bildenden Künste, der Literatur und Politik als Wiege des europäischen Denkens. Kein Wunder, dass auch die Demokratie (ὁ δῆμος: Das Volk; κρατέω: ich herrsche) als Grundlage moderner europäischer Identität ihre sprachlichen wie historischen Wurzeln im antiken Griechenland hat. 

Da mit der griechischen Mythologie und der sie fassenden Literatur ein nie versiegender Quell künstlerischer Ausformungen dieser Fragestellungen und Errungenschaften gegeben ist, mangelt es nicht an spannenden Erzählungen, die stets aktuelle Themen auf abwechslungsreiche und kurzweilige Art im Unterricht zur Diskussion stellen. 

Griechisch am JSBG soll daher in einer sich stets wandelnden, modernen Gesellschaft Orientierungswissen schaffen, die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, auf den Grund der Dinge zu sehen. Es will die Lernenden dazu befähigen, rhetorische Strategien zu durchschauen und aktuelle Ereignisse unter Heranziehung antiker Parallelen zu bewerten, weshalb es maßgeblich zur Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen beiträgt. 

Die „Windsbacher Griechen“ vor dem Aphaia-Tempel auf der Insel Aigina (2019)

2. Wie werden Griechischkenntnisse aufgebaut?

Griechisch bildet am humanistischen Schulzweig einen festen Kern im Stundenplan. So sind für die achte und neunte Jahrgangsstufe je vierfür die zehnte und elfte Klasse drei Stunden eingeplant

Wir beschäftigen uns dabei bis zum ersten Halbjahr der zehnten Klasse mit dem Lehrbuch, um angemessen auf die Lektüre vorbereitet zu sein. Im Vergleich zum alten Lehrwerk ergibt sich dadurch eine deutliche Entzerrung, die den Guss eines belastbaren Fundaments für die Lektürephase in der zehnten bzw. elften Klasse – und vll. auch eines optionalen Oberkurses – ermöglicht.  

3. Das Lehrwerk

Für das nun neunjährige Gymnasium wurde auch im Bereich der Lehrwerke eine Wachablösung vollzogen. So dienen die Bände des bewährten Kairosneu unseren aktuellen Jahrgängen 9 und 10 als Arbeitsgrundlage, wohingegen die G9-Jahrgänge den neu erstellten Διάλογος (Dialogos) nutzen. 

Die Konzeption dieses nach neuesten Forschungen zum Unterricht der alten Sprachen konzipierten Lehrbuchs folgt dabei nach einem Schriftkurs bewährten Mustern: Neue Wörter und Grammatik werden durch erste Übungen erschlossen und behutsam eingeübt, ehe sie an einem Text angewandt werden. Informationen zu Geschichte und kulturhistorischem Hintergrund umrahmen diese Lektionen und bieten vielerlei Anknüpfungspunkte für Unterrichtsgespräche.

Zusätzlich zum klassischen Buch hält Διάλογος jedoch auch einen digitalen Weg zu den Inhalten bereit: Der in enger Begleitung der Buchausgabe angelegte mebis-Kurs bietet Schülerinnen und Schülern nicht nur die Lizenz zu einem freien Download einer pdf-Version des Schulbuchs. Er vertieft v.a. auch das Gelernte durch spezielle Übungen im Quiz-Format, Videos, vorgeschlagene Projekte und vieles mehr. Alle Angebote werden permanent erweitert und aktualisiert. Das altehrwürdige Fach hat den Anschluss an die digitale Welt gefunden!

4. Lektüre

Der systematische Aufbau der Sprachfertigkeiten ermöglicht uns, spätestens ab dem zweiten Halbjahr der zehnten Klasse in die Originallektüre einzusteigen. 

Anhand des persönlichen Schicksals des Sokrates und der Frage, was ein lebenswertes Leben ausmacht, setzen sich die Schülerinnen und Schüler aktiv mit ihrer Weltsicht auseinander. Einschätzungen zur Sinnhaftigkeit und Grundlage des Krieges begegnen uns in der Lektüre des Historikers Herodot. Ein Highlight des Griechischunterrichts bleibt aber freilich Homers Odyssee. Sie ist nicht nur eine immer wieder begeisternde Erzählung, sondern wirft auch die Frage auf, ob der Mensch sein Leben selbst bestimmt oder doch nur „Spielball der Götter“ ist. 

Wer Griechisch auch in der Oberstufe belegt, darf sich überdies auf weitere Texte und Diskussionen zu gewichtigen Lebensthemen freuen: Wir fragen mit den Vorsokratikernnach den Grundlagen unserer Welt, mit Sappho nach der Rolle der Liebe. In der Antigonedes Sophokles beleuchten wir die Ansichten einer selbstbewussten Frau, die fest davon überzeugt ist, es gebe sogar ein Recht, das wichtiger sei als das des Staates. Auf Anregung Platons ergründen wir schließlich die Voraussetzungen eines guten Staates und analysieren das antike Beispiel Athens neben unserem aktuellen politischen System.

Kurzum: Griechisch bietet jungen Menschen, die sich gerne Gedanken über sich und die Welt machen, ein abwechslungsreiches und breites Betätigungsfeld!

5. Schulaufgaben

Die Anzahl der Schulaufgaben innerhalb eines Schuljahres entspricht der Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden. Daher werden in den Jahrgängen 8 und 9 je vierin 10 und 11 drei Schulaufgaben angesetzt. 

Der Aufbau ist zweigeteilt aus der Übersetzung eines Textes (I) und der Behandlung von Zusatzfragen (II).

6. Graecum

Als staatliches Gymnasium bieten wir unseren Lernenden die Chance, das für einige Studiengänge der Universitäten vorgeschriebene Graecum zu erwerben. Für G8 und G9wird dies auf verschiedenen Wegen realisiert:

G8:     Feststellungsprüfung am Ende der zehnten Klasse

G9:     über den Pflichtunterricht nach der elften Klasse (bei mind. Note 4 im Zeugnis)

Die Verlängerung der Lernzeit um ein Jahr birgt also den Vorteil, die im G8 noch zwingend erforderliche Prüfung im G9 durch die reine Ausbildungsdauer von vier Jahren zu ersetzen.

7. Gelebter Humanismus

Artefakte der AntikeGriechisch ist ein stets lebendiges Fach, das von den individuellen Interessen und Fähigkeiten seiner Lerner geprägt ist. Aus diesem Grund ist es uns am JSBG in jenem häufig als „Orchideenfach“ betitelten Bereich besonders wichtig, den Talenten Gelegenheiten zur Entfaltung zu geben. So entstanden in den vergangenen Schuljahren – nicht selten auf direkte Initiative unserer Schülerinnen und Schüler – mehrere Betätigungsbereiche unserer Fachschaft: 

Projekte:

  • Schultheater Apoll&Daphne (zusammen mit der Fachschaft Latein)
  • Artefakte der griechischen und römischen Antike (zusammen mit der Fachschaft Kunst)
  • Stop-Motion Film zu Platons Euthyphron 11

Exkursionen:

Studienfahrt:

8. Buchtipps

  • Adam, Konrad, Die alten Griechen, Berlin 2006. 
  • Fink, Gerhard, Who’s who in der antiken Mythologie, München 1998. 
  • Hose, Martin, Kleine griechische Literaturgeschichte. Von Homer bis zum Ende der Antike, München 1999. 
  • Marcolongo, Andrea, Warum Altgriechisch genial ist. Eine Liebeserklärung an die Sprache, mit der alles begann, München 2018. 
  • Dies., Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen. Was uns die Argonautensage erzählt, Wien 2020. 
  • Szlezák, Thomas Alexander, Was Europa den Griechen verdankt. Von den Grundlagen unserer Kultur in der griechischen Antike, Tübingen 2010. 

Bei Fragen bin ich jederzeit unter marco.loew@jsbg.de zu erreichen!

LöM